Kaela

Vom Romanentwurf zum Film: eine Figur, die sieht, was andere übersehen.

Denkweise
Text, Figur, Bild, Film
Zeitraum
2020 bis heute
Form
Roman, Figurenentwicklung, Kurzfilm
Status
Eigenes Projekt, in Arbeit

Kaela, Berlin-Kreuzberg. Filmstudie 2026, generative Videoproduktion.

Ausgangspunkt

Kaela ist elf und lebt am Rand von Berlin, in einer Zeltsiedlung am Rummelsburger See. Sie fährt Skateboard, flieht vor den Wächtern, die sie ins Heim bringen wollen, und sieht etwas, das sonst niemand sieht.

Die Figur entstand 2020 als Romanentwurf im Masterstudium Biografisches und Kreatives Schreiben. Kaela sieht Schmetterauren: die Spuren Verstorbener, kleine farbige Nebel, die nur von Weitem wie Schmetterlinge wirken. Manche Wandbilder in Kreuzberg bestehen aus ihnen.

„Es geht darum, Unsichtbares sichtbar zu machen.“

Aus dem Exposé zum Romanentwurf, Dezember 2020

Fragestellung

Wie wird eine Figur sichtbar, die zwischen zwei Welten lebt, ohne dass eine davon verloren geht?

Die eine Welt ist hart und real: Obdachlosigkeit, eine kranke Mutter, Gewalt. Die andere ist unsichtbar und zart. Jede Bildfassung musste sich daran messen, ob beide zugleich spürbar bleiben.

Der Weg

Vier Stationen, sechs Jahre
01
2020

Text

Romanentwurf mit sechs Kapiteln, Figurenanalyse und Exposé. Reale Orte in Kreuzberg und Treptow, recherchiert über Podcasts und Gespräche.

EntscheidungDie Figur steht vor dem Bild. Alles Weitere misst sich am Text.

Auszug, Kapitel 4 Schmetterauren entstehen, wenn Lebewesen sterben. Sie haben keine klaren Strukturen, sind eher wie kleine Nebel, farbige Staubkugeln, die allerdings aus der Entfernung wie Schmetterlinge aussehen und sich so ähnlich bewegen.
02
2020

Eigene Skizze

Zwei schnelle Zeichnungen mit Tusche, entstanden direkt nach dem Text. Kein Gesicht im Detail, nur Haltung, Bewegung, Trotz.

EntscheidungErst die Geste, dann das Aussehen. Kaela ist zuerst ein Körper in Bewegung.

Gestische Tuschskizze: Kaela auf dem Skateboard
Tusche, 2020, eigene Zeichnung
Zweite Tuschskizze von Kaela in Bewegung
Tusche, 2020, eigene Zeichnung
03
2024

Erste Bildversuche

Mit Midjourney entstehen Figur und Orte. Die Orte treffen den Ton des Textes. Die Figur nicht: Die Auren werden zu echten, gestochen scharfen Schmetterlingen, Kaela zu einem fröhlichen Kind aus dem Bilderbuch.

ErkenntnisDas Modell nimmt das Bild wörtlich und glättet die Dunkelheit weg. Genau das muss die Regie zurückholen.

Midjourney 2024: Kaela springt vor einer Wand voller Schmetterlinge
Midjourney, 2024. Die Auren sind zu echten Schmetterlingen geworden, Kaela zum fröhlichen Bilderbuchkind.
Midjourney 2024: Freiluftkino in Kreuzberg, gezeichnet
Midjourney, 2024. Der Ort trifft den Ton des Textes.
04
2026

Filmstudie

Kaela unter der Hochbahn, Dämmerung, Regen, ein Späti. Der Ort ist zurück in der Wirklichkeit. Am Ende bleibt sie stehen und schaut hoch.

EntscheidungDie Dunkelheit kommt vom Ort, das Licht von ihr. Keine Zauberbilder, sondern ein Moment.

Standbild 2026: Kaela fährt an einem Späti vorbei
Standbild aus der Filmstudie 2026, generative Videoproduktion.

Gestalterische Entscheidungen

Was die Figur trägt
  1. Reale Orte statt Fantasiekulisse

    Kreuzberg, Hochbahn, Rummelsburger See. Das Unsichtbare wirkt nur glaubwürdig, wenn das Sichtbare stimmt.

  2. Die Auren nicht zeigen, sondern andeuten

    Nebel und Farbstaub, die erst aus der Ferne wie Schmetterlinge wirken. Was wörtlich gezeigt wird, verliert sein Geheimnis.

  3. Das Leuchten sitzt in den Augen

    Nicht in Kleidung oder Haut. Kaela lebt auf der Straße, und man soll es sehen. Was an ihr leuchtet, ist ihr Blick.

Nächste Fassung

Die Filmstudie trägt den Ort und den Moment. Die Auren sind noch Licht, wo sie Nebel sein sollen.

Die nächste Fassung gibt ihnen eine eigene Bildsprache: farbiger Staub in vielen Tönen, unscharf, flatternd, und an den dunklen Orten zerfetzte, rauchige Formen. Kaela selbst trägt die Spuren ihres Lebens sichtbar, und ihr Blick bleibt hell.

Meine Rolle

  • Text und Dramaturgie
  • Figurenentwicklung
  • Zeichnung
  • Creative Direction
  • Bildregie
  • Generative Bild- und Videoproduktion

Jede Idee hat eine eigene Sprache. Welche hat deine?

Du hast eine Figur, ein Thema oder ein Haus, das noch keine eigene Bildsprache hat? Im Kennenlerngespräch finden wir heraus, was deine Idee braucht und ob wir zusammenpassen.